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Virusgrippe nicht harmlos

Influenza – Virusgrippe ist nicht harmlos!

Eine Influenza kann lebensbedrohlich verlaufen. In Grippejahren gibt es stets Tausende von Todesopfern, die an Folgen der Influenza, beispielsweise Lungenentzündungen oder Herzversagen, versterben. Die Influenza muss also wirklich erst genommen werden.
Sie darf nicht in einen Topf mit den anderen Erkältungskrankheiten geworfen und dadurch verharmlost werden.
"Wer im Spätherbst nicht krank wird, der kann nicht gesund sein!", spöttelte seinerzeit der Berliner Grippespezialist Professor Herbert Sinnecker einmal in einem Expertengespräch. Tatsächlich: Die sogenannten Erkältungskrankheiten nehmen in dieser Zeit des Witterungsumschwunges sprungartig zu. Grippewetter, sagt man. Und doch: All diese Schnupfen-, Husten- und Heiserkeitsfälle sind in den allermeisten Fällen keine Grippe.

Die echte Virusgrippe (Influenza) ist eine schwere Erkrankung, die Jahr für Jahr Tausende von Todesopfern fordert, vor allem unter den Älteren.

Natürlich verläuft diese spezielle Viruserkrankung in den meisten Fällen weniger dramatisch. Doch wochenlange Leistungsschwäche, Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen sind neben den akuten Beschwerden seitens des Atemtraktes auch Tribut, den die vielen Patienten dieser oft verharmlosten Krankheit zollen müssen.
Da die echte Virusgrippe eine so schwere, komplikationsbelastete Krankheit ist, steht der Schutz vor Ansteckung im Vordergrund. In Zeiten schwerer Epidemien können bis zu drei Viertel der gesamten Bevölkerung an der Grippe erkranken. So können die winzigen Viren ein ganzen Land gleichsam lähmen. Zum Glück sind diese schweren Seuchenzüge, die vor allem 1918-20 und Mitte der fünfziger Jahre auch Mitteleuropa heimsuchten, in der jüngsten Vergangenheit (noch) nicht wieder aufgetreten. Aber niemand weiß, ob nicht in diesem Jahr sich eine solche neue Grippewelle entwickelt. Und auch in epidemiefreien Zeiten gibt es immer eine hohe Zahl von Patienten, die an einer Lungenentzündung versterben, die letztlich Folge einer Grippe war. Professor Dr. Hans-Dieter Brede, der Vorsitzende eines wissenschaftlichen Beirates, der sich mit Grippeerkrankungen (Influenza) befasst, hob hervor, dass im Herbst/Winter des Vorjahres eine sogenannte Übersterblichkeit von 20.000 Menschen registriert wurde - zum großen Teil sicher Folge von Grippeerkrankungen. Übersterblchkeit: Das heißt konkret, dass mindestens 20.000 Patienten mehr verstarben, als in grippefreien Jahren zu erwarten war. Große Zahlen, die die Grippe in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.

Mit dem Wissen um die Schwere dieser Infektionskrankheit sollte die Bereitschaft sicher zunehmen, sich impfen zu lassen. Die Grippeimpfung wird zu unrecht gescholten. Sie ist die wirksamste Vorbeugungsmethode, die es derzeit gibt. Da die Grippeimpfstoffe nur gegen die eigentlichen Influenzaviren, die Erreger der jeweiligen Grippewelle, gerichtet sind, kann natürlich eine derartige Impfung nicht vor den Hunderten anderer Viren oder Bakterien schützen, die zu einer üblichen, weitaus harmloseren "Erkältung", einer akuten Atemwegsinfektion führen. Wenn man trotz der Grippeimpfung einen Schnupfen bekommt., dann ist das keine Versagen der Impfung. Gegen den Schnupfen wurde ja gar nicht geimpft, dagegen ist eine Impfung nicht möglich.

Oft hört man auch wahre Schauergeschichten über die Folgen einer Grippeimpfung.
Falschmeldungen! Das ist wissenschaftlich untersucht worden. Das Ergebnis hat vermutlich sogar die Experten überrascht:
Die Vorbehalte gegen die Grippimpfung sind völlig unberechtigt und falsch! Der Grippeimpfstoff wurde genau so gut vertragen wie eine Leerimpfung ohne die spezifischen Impfviren. Eine amerikanische Wissenschaftlergruppe hat an über 800 gesunden Testpersonen die Nebenwirkungen der Impfung überprüft. Der Test wurde in einem sogenannten doppelten Blindversuch durchgeführt, d.h. weder die Impflinge, noch die unmittelbar beteiligten Untersucher wußten, wer den echten Impfstoff und wer das Scheinpräparat erhielt. Bei der Auswertung ergab sich, dass die Zahl der Nebenwirkungen und Beschwerden bei der Null-Gruppe, die keinen richtigen Impfstoff erhielt, genauso groß wie bei den echten Impflingen war. Nur an der Impfstelle hatten sich bei der echten Impfgruppe vermehrt leichte Rötungen entwickelt, die aber alle rasch abklangen. Es stimmt also nicht, dass die modernen Impfstoffe mit Nebenwirkungen belastet sind. Professor Brede: „Der Impfstoff ist dank moderner Herstellungstechnologien sehr gut verträglich. Ich würde sogar bei symptomfreien Allergikern nicht auf die Grippeschutzimpfung verzichten. Auch eine Schwangerschaft ist kein Hinderungsgrund." Und ältere wie auch chronisch kranke Mitmenschen brauchen nicht auf diesen Schutz zu verzichten.

Das auch für diese Erkrankungsgruppe zuständige staatliche Paul-Ehrlich-Institut in Berlin riet mit aller Entschiedenheit, sich rechtzeitig gegen die mögliche Grippewelle zu schützen.

Wann kann noch geimpft werden?

Das muss der Arzt von Fall zu Fall entscheiden. Die Impfung braucht etwa ein bis zwei Wochen, um einen wirksamen Schutz aufzubauen. Die Zeit ist also knapp, wenn eine Influenzawelle bereits im Ausbruch ist. Besser ist, die Impfung im Spätherbst vornehmen zu lassen. Auf jeden Fall sollten Impfskeptiker sich diese wichtige Schutzmaßnahme aber für den kommenden Herbst vornehmen, denn die Grippeschutzimpfung muss Jahr für Jahr mit aktualisierten Impfstoffen wiederholt werden.

Was kann und sollte man jetzt als Ungeimpfter tun?

Die Schutzimpfung ist noch immer der beste Weg des Grippeschutzes. Es genügt eine einmalige Spritze, um für etwa ein Jahr weitgehend gegen die aktuelle Grippe geschützt zu sein. Der günstigste Impfzeitraum ist der Oktober. Der Schutzeffekt beginnt etwa nach 7 Tagen. Ob jetzt noch eine Impfung sinnvoll ist, muss der Arzt im Einzelfall und je nach der Seuchenlage entscheiden. Die Impfung kann auch der Hausarzt vornehmen. Die Krankenkassen tragen - trotz aller Sparzwänge – die Kosten für diese Impfung.

Gefährdet sind neben den Schulkindern vor allem sogenannte Risikopatienten, das sind Kranke, die an Herzkrankheiten, Nierenleiden, chronischen Lungenkrankheiten (auch Asthma), Zuckerkrankheit, Abwehrschwäche u.ä. leiden bzw. die vor Operationen stehen. Sie müssen besonders vorsichtig sein und sich möglichst vor Ansteckungen schützen. Auch die älteren Menschen über 60 Jahre (insbesondere Heimbewohner) stellen eine Risikogruppe dar.

Mitbürger, die besonders oft und viel mit größeren Menschenmengen zu tun haben, sind besonders infektionsgefährdet (z.B. Schalterangestellte, Lehrer, Verkäufer, Bahnpersonal, aber auch Mitarbeiter des Gesundheitswesens u.a.) sind gut beraten, wenn sie sich gegen die Grippe impfen lassen.

Neuerdings gibt es auch Medikamente (sogenannte Neuraminidasehemmer), die in Frühstadien der Grippe den Krankheitsausbruch verhindern oder zumindest mildern können. Sie wirken aber nur, wenn sie in den ersten 24 bis 48 Stunden nach der Infektion eingenommen werden. In sehr rasch beginnenden, schweren Influenzafällen hat sich dieses Medikament bereits bewährt, wird aber sicher die Impfung nicht ablösen können.

Eine gesunde Lebensweise reduziert das Infektionsrisiko. Gerade in Infektionszeiten sollte man daher vitaminreiche Kost bevorzugen, für ausreichend Schlaf sorgen, auf Genußmittelmißbrauch (Rauchen!) verzichten, sich zweckmäßig und der jeweiligen Außen- bzw. Raumtemperatur entsprechend kleiden, sich möglichst schon im Spätsommer durch Sauna, wechselwarme Duschen, Ausdauersport abhärten und in dieser infektionsgefährdeten Zeit Überanstrengungen vermeiden.

Pflanzliche Präparate aus dem roten Sonnenhut (Echinacea), die zu einer Anregung der körpereigenen Abwehr führen, sind immer wieder – vermutlich zu unrecht – in das Feuer der Kritik geraten. Wenn man auf mögliche allergische Reaktionen achtet und keine Dauermedikation daraus macht, dann können diese Wirkstoffe durchaus unterstützend beim Sieg über die Grippeviren wirken. Sie wirken aber nicht gezielt auf die Grippeviren.

Mit den Impfstämmen kann man keinesfalls andere Familienangehörige anstecken. Anders aber: Die Grippe der Eltern oder Großeltern kann sehr leicht auf die Kinder und Enkel übertragen werden. Der Schutz der Älteren ist also auch ein Schutz der Kinder. Ansonsten gilt auch im Familienkreis, bei Ausbruch der Krankheit möglich engen Kontakt zu vermeiden – Händegeben, Zärtlichkeiten, gemeinsame Wasch- und Essutensilien etc..

Jeder kann also auch jetzt noch dazu beitragen, dass man vom nasskalten Wetter nicht die Nase voll hat. „Husten Sie der Grippe etwas!"

Dr. med. Dolf Künzel

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Abbildung: Influenza-Virus
© Frank Geisler